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von Ehrenmitglied Ernst DAVID

1960

Wieder von strömendem Regen begleitet, war die Weihe unserer neuen Vereinsfahne im Mai 1960. Begleitet von den Fahnenpaten Willi und Lilly Grabher (Elfers) und 14 wie Feen gekleideten Fahnenjungfern marschierten wir unter großer Anteilnahme der Bevölkerung zur Kirche, wo die Weihe vorgenommen wurde. In einer sinnvollen Rede mahnte uns der Pate, zu allen Zeiten treu zur Fahne zu stehen. Das vorgesehene Bezirksmusikfest musste wegen dem traurigen Wetter leider abgesagt werden. Als Ersatz gaben wir ein Doppelkonzert mit unserer Patensektion, der Stadtmusik Altstätten. – Den Entwurf der neuen Vereinsfahne besorgte der akadem. Maler Karl Schwärzler.

Schon bald begann die Arbeit für den vom Österreichischen Rundfunk ausgeschriebenen gesamtösterreichischen Blasmusikwettbewerb. Die Ausscheidungskämpfe wurden in Dornbirn durchgeführt, wo mit der dramatischen Fantasie „Titanic“ von Stephan Jaeggi der Sieg in der Kunststufe geholt wurde. Damit war der Aufstieg in die Schlussrunde der besten österreichischen Blasmusikkapellen gesichert.

1961

15. – 16. 4. 1961 – Endausscheidung im österreichischen Blasmusikwettbewerb in Innsbruck. Hier konnte wohl der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte erzielt werden. Der 3. Preis für die Ouvertüre „Atlantis“ von Kurt Weber bedeutete, dass neben der Stadtkapelle Wilten und der Werkskapelle der Gösser-Brau AG keine bessere Kunststufenkapelle in Österreich vorhanden war. Wenn man bedenkt, dass der 1. Preis von einem Blasorchester gewonnen wurde, wo auf jedem zweiten Stuhl Musikprofessoren sitzen, und dass der 2. Preis von einer Werkskapelle, die unter ganz anderen Verhältnissen ihre Probentätigkeit abhalten kann, erspielt wurde, dann ist dieser 3. Preis von Österreich noch höher zu werten. – Bei der Rückkehr aus Innsbruck wurde der Musikverein Lustenau mit Kapellmeister Rudi Hofer an der Spitze von Hunderten von Menschen stürmisch begrüßt und beglückwünscht.

Zum 75-jährigen Wiegenfest unseres Vereines veranstalteten wir ein großes Musikfest. Durch die Teilnahme einer großen Zahl von Kapellen von beiden Seiten des Rheines und die Mitwirkung der anderen Preisträger aus Innsbruck (Bürgermusik Satteins, Bürgermusik Höchst und Musikverein Langen) war die Grundlage für ein gediegenes Fest gegeben, das auch zu einem sehr schönen Erfolg führte.

Zu einem triumphalen Erfolg gestaltete sich die Teilnahme am 116. Cannstätter Volksfest in Stuttgart im September 1961. Bei ungeheurer Hitze fand auch ein Umzug von 6 km Länge statt, der von 250.000 (!) Zuschauern lebhaft applaudiert wurde. Dass nach diesen Strapazen der Bierkonsum im Festzelt keine Grenzen kannte, wird nicht verwundern.

Lange schon beschäftigte man sich mit dem Problem eines eigenen Vereinsheimes. Es waren schon Pläne verfasst worden, endlose Debatten fanden statt, doch infolge der hohen Baukosten musste dieses Vorhaben immer wieder zurückgestellt werden. Der Dezember 1961 brachte dann den Kaufabschluss mit Frau Mathilde Vogel über einen Teil des Platzes in der Gänslestraße, wo heute unser neues, schmuckes Vereinsheim situiert ist.

1962

Mit Robert Scheffknecht tritt ein Mann an die Spitze des Vereines, dessen Hauptsorge es sein wird, das finanzielle Rückgrat des Vereines im Hinblick auf die großen Aufgaben der nächsten Jahre zu stärken, stehen doch gewaltige Aufgaben vor der Tür: Neuuniformierung, Anschaffung vieler Instrumente und das Phantom des neuen Vereinsheimes.

Der heurige Sommer bringt wieder viele musikalische Verpflichtungen mit sich: Der Rheintalische Musiktag in Altstätten, das 100-jährige Gründungsfest der Bürgermusik Satteins, das Landesturnfest (Jahn) in Lustenau und das Landesfeuerwehrfest.

Neben all diesen musikalischen Verpflichtungen arbeitet heimlich, still und leise, doch unter großer Selbstaufopferung der Uniformierungsausschuss, dem Robert Scheffknecht, Kurt Gasser, Werner Hämmerle, Gebhard Hagen und Werner Pregler angehören.

5. 12. 1962 – Auf dem Cäcilienkonzert scheidet Kapellmeister Rudi Hofer über eigenes Ersuchen aus dem Verein und übergibt am Ende des Konzertes den Dirigentenstab an den Sohn unseres verstorbenen Kapellmeisters Franz Hagen, um den Schlussmarsch zu dirigieren: An Hermann Hagen. – Damit endet eine Periode großen musikalischen Aufbaues und Schaffens unter Rudi Hofer, der den mit Tradition und vielen Auszeichnungen behafteten Verein zu weiteren Ehren geführt hatte: Dreimal ein 1. Rang mit Auszeichnung, darunter ein 3. Preis von Österreich!

Hermann Hagen – ganze 29 Jahre alt und selbst aus dem Verein herausgewachsen – hatte sich die ersten Sporen und die Grundausbildung eines Dirigenten bereits beim Musikverein Berneck/Schweiz geholt, wo er 1959, nach dem Tode seines Vaters, in dessen Fußstapfen trat. Viel Fleiß, Zähigkeit und Ausdauer werden vonnöten sein, auf dem neuen Posten zu bestehen und womöglich an die großen Erfolge seiner Vorgänger anknüpfen zu können.

1963

Die Generalversammlung bringt die Ehrung eines Mannes mit sich, der 40 Jahre als Organisator, als Wirtschaftsobmann, Reiseleiter und „Mädchen für Alles“ seine Freizeit dem Vereine hingegeben hat: Hans Scheffknecht. Der Vorarlberger Harmoniebund verleiht ihm in Anerkennung seiner Verdienste das „Goldene Ehrenzeichen für Förderer des heimischen Blasmusikwesens“. Damit hatte eine jahrzehntelange uneigennützige Tätigkeit eine entsprechende Ehrung erfahren.

Das neue Jahr ist von neuem Aufbau bestimmt und verschiedene Musikfeste geben dem jungen Dirigenten Gelegenheit, sich der Öffentlichkeit bereits 29 mal vorzustellen. Anlässe wie die Fahnenweihe des Gewerbevereines, das Turnfest in Lustenau (ebenfalls Fahnenweihe), die Autoweihe auf dem Austriaplatz, das Musikfest in Diepoldsau, wo sich sein Bruder Franz erfolgreich als Dirigent produziert, geben ihm genügend Möglichkeiten in seine neue Rolle hineinzuwachsen und seine Kenntnisse zu vertiefen.

Ein glänzend organisierter Ausflug führt uns im Herbst nach Zürich und an den Walensee. Hier hat Vorstand Robert Scheffknecht erstmals Gelegenheit, seine Fähigkeiten voll auszuspielen, was ihm nicht wenig Bewunderung einbringt.

Zum 75. Geburtstag unseres Ehrenmitgliedes Karl Bösch findet in Form eines Ständchens eine kleine Ehrung statt, ist er doch seit vollen 60 Jahren (!) aktiver Musiker. Das kleine Fest hat sehr lange gedauert, und als der Hahn schon das vierte Mal krähte, erklingt immer noch auf einer „Holzbig“ das verträumte „ll Silencio“.

Das Herbstkonzert 1963 soll Kapellmeister Hermann Hagen seinen ersten Erfolg bringen. Mit dem symphonischen Prolog „Hero und Leander“ von Carl Friedmann, „1812“ von P. I. Tschaikovsky und einem großen Querschnitt durch italienische Opern „Fiori Italiani“ kann er das sachverständige Publikum restlos begeistern. – Aus diesem Anlasse werden auch Karl Bösch und Josef König, der erst einige Tage vorher verstorben ist, für 60-jährige aktive Musikertätigkeit entsprechend geehrt und dekoriert. In Dankbarkeit haben wir an diesem Tage auf dem frischen Grabe einen Strauß schöner Nelken niedergelegt.

Diese Veranstaltung gibt uns auch Gelegenheit die neuen Uniformen der Öffentlichkeit vorzustellen. Vorstand Robert Scheffknecht dankt in bewegten Worten der Gemeinde Lustenau für ihre großzügige Unterstützung sowie allen Freunden und Gönnern für ihre tatkräftige Mithilfe, denn ohne sie ist es einem klingenden Verein nur unter allergrößten Anstrengungen und mit jahrelanger Belastung möglich, derartige Ausgaben zu bewältigen.

1964

Die Jahreshauptversammlung gibt uns Gelegenheit, einem weiteren großen Freund und Gönner unseres Vereines das Goldene Förderabzeichen des Vorarlberger Harmoniebundes an die Brust zu heften. Willi Grabher, unser Fahnenpate hat uns in den vergangenen Jahren so viele Male und so ausgiebig unter die Arme gegriffen, dass diese Ehrung von höchster Stelle nicht von ungefähr kam!

Im Feber dieses Jahres gelingt es uns von unserem Ehrenmitglied Frau Mathilde Vogel ein weiteres Stück Boden gegen Leibrente zu erwerben, und damit das bisher erworbene zu arrondieren. Damit war wenigstens die Grundlage für späteres großzügiges Planen gegeben.

Ein Frühschoppenkonzert zu Ostern, das Galakonzert beim Musikverein Au, SG und der Festabend beim Lustenauer Frühlingsfest ließen diesen Sommer bald vorübergehen und gaben uns ausreichend Gelegenheit, den neuen Dirigenten und die Kapelle entsprechend herauszustellen.

Das 10. Vorarlberger Bundesmusikfest 1964 in Rankweil gab uns Gelegenheit und Verpflichtung zu verstärkter und eifrigerer Probentätigkeit. Zum ersten Male in der Geschichte des Vereines ergab es sich, dass der Musikverein Concordia Lustenau und der Musikverein Lustenau ein gemeinschaftliches Doppelkonzert geben sollten. 100 Musiker standen auf der Bühne, als mit einer feierlichen Fanfare der Festabend eröffnet wurde. Hermann Hagen (schwere Musik) und Dr. Erich Hämmerle (Unterhaltungsmusik) dirigierten abwechselnd die vereinigten Lustenauer Kunststufenkapellen, aus deren Programm nur einige Stücke erwähnt seien: "Musikantengruß" von Rudi Hofer, "Il Guarany" von Gomez, "Titanic" von Stephan Jaeggi, "Dramatische Ouverture" von Blon. Nicht enden wollender Beifall war der äußere Lohn für dieses glanzvolle Gemeinschaftskonzert der beiden Vereine, die damit wieder einmal mehr die musikalische Vorrangstellung Lustenaus im Lande dokumentiert hatten.

Das Landesturnfest in Lustenau war vom tödlichen Verkehrsunfall unseres Johann Sperger überschattet, wodurch eine 50-jährige Musikertätigkeit jäh unterbrochen wurde.

Die Primiz des Neupriesters F. Mohr, der Festabend beim 50-jährigen Gründungsfest des SC Austria, das Kirchweihfest in Gisingen, das Oktoberfest, etliche Ständchen und Platzkonzerte, zeugen von der Vielzahl der musikalischen Verpflichtungen in diesem Jahre, die ihren Höhepunkt wiederum beim traditionellen Herbstkonzert fanden.

1965

Auf der Generalversammlung erfährt wieder einer unserer großen Gönner eine besondere Ehrung: Rupert Hofer wird vom Vorarlberger Harmoniebund für seine langjährigen Verdienste um den MusikvereinLustenau mit dem goldenen Fördererabzeichen ausgezeichnet.

Der "Musiball" am Faschingssamstag gestaltet sich zu einem glanzvollen Familienabend für den Musikverein Lustenau. Es zeigt sich, dass Hermann Hagen nicht nur in der klassischen Musik zu Hause, sondern auch jederzeit in der Lage ist, in der Welt der "Jazz-Musik" zu bestehen. Immer mehr stellt sich heraus, dass wir in ihm einen würdigen Nachfolger seines Vaters, der Jahrzehnte seines Lebens unseren Verein leitete, haben.

Am Ostersonntag entbieten wir der Bevölkerung von Lustenau einen klingenden Ostergruß auf dem Kirchplatz, der auch von einem niedlichen "Osterguss" begleitet war.

"Ein Abend mit den Frauen für die Frauen" war das Motto eines gelungenen Familienabends für die gesamte Musikantenfamilie, der von einem zünftigen Jass begleitet war. Vorstand Robert Scheffknecht, der Initiator dieses Abends hatte wieder einmal "gesammelt" und so erhielten alle 68 teilnehmenden „Kartenjünger“ neben einem ausgezeichneten Festessen noch einen ansehnlichen Preis.

Der Juli 1965 sah uns zum fünfundzwanzigsten Male auf einer Konzertreise nach Weiler im Allgäu. Dies war Anlass genug zu einem großen Feste, bei dem man der alten Zeiten gebührend gedachte. Reiste man früher mit Ross und Wagen hinaus, dann war es in den Zwanzigerjahren „Hagen-Mühle“ der die ganze Musi mitsamt dem Instrumentarium auf dem damals modernsten LKW – einem Fiat mit Kettenantrieb – mit der beachtlichen Geschwindigkeit von 20 km/h durch die Lande kutschierte.

Seit Jahren sehnlichst erwartet, führte uns im September ein herrlicher Ausflug mach Lugano, der von Vorstand Robert Scheffknecht in vortrefflicher Manier vorausorganisiert war. Begünstigt von herrlichem Wetter, war es ein Erlebnis besonderer Art, welches uns über den St. Gotthard in den Süden führte.

Der weitere Herbst führte uns wieder nach Gisingen zum Kilbi-Fest, zum Bezirkmusikfest nach Höchst, brachte einen Gegenbesuch der Musiker aus Weiler im Allgäu und ließ uns wieder Oktoberfest-Laune erzeugen.

Auf dem Cäcilienkonzert wurde versucht, eine Synthese von Solo-Sopranistin und Blasorchester zu erreichen, was Gertrude Stöckl mit der Canzonetta „Ciribiribin“ in einem gefälligen Arrangement von Ernst David auch vorzüglich gelang. – Gleichzeitig „donnerten“ im Hintergrund die vier neuen Bässe denn Vorstand Robert Scheffknecht hatte wieder einmal angeklopft, den Leuten „s`Mul gunnt“, und die ATS 75.000,00 waren wieder einmal da!

1966

Auf der Jahreshauptversammlung wird Julius Ott zum neuesten Ehrenmitglied ernannt – ein Mann, der als Neo-Lustenauer in der kurzen Zeit von 10 Jahren ein Imperium von Stickereien und Spitzen geschaffen hat. Außer seiner bisherigen großzügigen Unterstützung erklärte er sich zusätzlich bereit, das Defizit des vergangenen Jahres abzudecken. In seiner launigen Ansprache erklärte er: „Entscheidend für das Leben ist, dass man etwas Positives tut – der Grund ist nebensächlich!“

Beim 3. Internationalen Musikertreffen in Kreuzlingen hatten wir die Ehre, als einzige österreichische Blasmusikkapelle die Farben unseres Heimatlandes würdig zu vertreten.

Das 100-jährige Gründungsfest des Musikvereins Harmonie Böhringen, Kreis Rottweil am Neckar, war ein willkommener Anlass, wieder einmal auf die Reise zu gehen. Neben einem glanzvollen Musikfest und einer kaum zu überbietenden Gastfreundschaft der Bevölkerung, wurde der Grundstein für viele Freundschaften gelegt, die rege gepflegt werden.

Das Musikfest in Röthis und die Kilbi zu Gisingen folgten bald, und die zweite Auflage des Familienabends „Mit den Frauen für die Frauen“ wurde wieder zu einem vollen Erfolg.

Schaurige Erinnerungen an den Rhein früherer Zeiten wurden wach, als Kärnten, Steiermark und Osttirol von einer Hochwasserkatastrophe ungeheueren Ausmaßes heimgesucht wurden. Spontan schlossen sich Lustenauer Vereine zusammen (Gesangsverein Eintracht-Wiesenrain, Turnerschaft Lustenau, Volksmusiktrio Toni Hämmerle und der Musikverein Lustenau) um mit einer Benefiz-Veranstaltung für die Hochwassergeschädigten von Flattach in Kärnten, der prozentuell am meisten betroffenen Gemeinde in Österreich, helfend einzuspringen. Das Konzert brachte einen Erlös von ATS 11.686,00, der durch die Gemeinde noch auf ATS 15.000,00 aufgestockt wurde. Diese soziale Tat – es war die erste derartige Veranstaltung in Vorarlberg – fand auch in der Presse eingehende Würdigung. Das heurige Herbstkonzert war gekrönt von der „Epaminodas“, einer äußerst schwierigen, dramatischen Ouvertüre des Holländers Gus de Roeck, und der Ouvertüre von Jacques Offenbach zu „Orpheus in der Unterwelt“.

Das Fest Maria Empfängnis brachte den 50. Geburtstag unseres Vorstandes Robert Scheffknecht, den wir in würdiger Weise durch ein Ständchen verschönerten: Führte er doch schon fünf Jahre die Vorstandschaft aus, und hatte er unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass er im neuen Jahre auf keinen Fall mehr kandidieren könne, da es sein gesundheitlicher Zustand nicht mehr zulasse. In einer der launigen Ansprachen wurde auch angeregt, man solle ihm die Absätze auf Vereinskosten neu belegen lassen, da er sich ja fünf Jahre lang „die Füße aus dem Hintern gerannt hat“.

Damit hatte eine Vorstandschaft ihr Ende gefunden, in der „Roberto“ mit ungeheurer Schaffenskraft, mit großer Begeisterung und noch größerem Elan, unter Hintansetzung vieler persönlicher Interessen, für die wirtschaftlichen Interessen des Vereines eingetreten war. Große Erfolge konnten unter seiner „Regentschaft“ erzielt werden: Seien es die Neuuniformierung, die Anschaffung vieler neuer Instrumente, der Ankauf des zweiten Grundstückes für das Vereinsheim und die versprochene Finanzierung desselben, die Verdoppelung des Vereinsvermögens in seiner Amtszeit. – Sein besonderes Augenmerk aber galt immer Förderung der Kameradschaft und der Nachwuchsförderung – die Lösung dieses Problems aber sollte seinem Nachfolger beschieden sein.

1967

HS Dir. Werner Grabher übernimmt dieses Amt in einer schwierigen Zeit und erklärt in seinem „Eröffnungsplädoyer“, dass er dieses nur in Anbetracht der Tatsache übernimmt, dass die Blasmusik in einer Gemeinde zu den wichtigsten Faktoren gehört. Diese zu erhalten und weiter zu formen soll nicht nur Aufgabe, sondern Verpflichtung sein. Der MusikvereinLustenau habe in Stadt und Land einen so guten Ruf und ein so hohes Ansehen, dass es wert sei, diese nicht nur zu erhalten, sondern sie weiter zu pflegen und noch zu vergrößern. Er bezeichnet es als großen Trost für den Verein, dass der scheidende Vorstand ihm und dem Verein weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen wird und sich zudem bereit erklärt hat, als Chef des Finanzausschusses seine Fähigkeiten, sein Organisationstalent und seine Kontaktfreudigkeit bis zur Vollendung des Vereinsheimneubaues zur Verfügung zu stellen.

Die Hauptziele des neuen Jahres waren:

a) Heranbildung neuer Jugendlicher und Gründung einer Jugendkapelle für deren Leitung sich Heinz Hämmerle (Küblers) offeriert hat;

b) Erstellung eines Vereinsheimes, für das schon wesentliche Voraussetzungen geschaffen waren.

Es zeigte sich schon bald, dass es äußerst schwierig ist, genug und geeignete Burschen zu finden, die die Neigung, das Talent und auch die nötige Ausdauer besitzen, um ein Blasinstrument zu erlernen. Es wurde daher auch der Beschluss gefasst, musikbegeisterte Mädchen in entsprechendem Alter heranzubilden, wie dies in Deutschland und auch in der Schweiz schon seit längerer Zeit der Fall ist. Damit sollte auch ein psychologischer Effekt erzielt werden, denn erfahrungsgemäß sind Mädchen lerneifriger und können die Jungen durch gutes Beispiel zu vermehrtem Lerneifer anregen.

Der Sommer war wieder von vielen musikalischen Verpflichtungen ausgefüllt, während bereits eifrig für das Bezirksmusikfest in Lustenau geprobt wurde. Am 2.7.1967 trat Kapellmeister Hermann Hagen zum ersten Male mit dem MusikvereinLustenau vor ein strenges Wertungsgericht, und auf Anhieb erreichte er mit der „Titanic“ von Stephan Jaeggi in der Kunststufe 1. Rang mit Auszeichnung. Die Würdigung seiner Leistung wollen wir dem Expertenbericht von Prof. Paul Huber entnehmen:

„Der MusikvereinLustenau sicherte dem Werk eine authentische Interpretation. In Tempo, Dynamik und Phrasierung war alles gleich hervorragend. Die Tondichtung erfuhr durch den Musikverein Lustenau eine tief empfundene musikalische Ausdeutung, und gar manchem Zuhörer wird der ergreifende Klang des Chorales „Näher mein Gott zu Dir“ noch lange in den Ohren und wohl auch im Herzen nachklingen!“

Ein besseres Lob für seine und unsere Leistung – und das aus berufenem Munde – hätte gar nicht ausgesprochen werden können.

In dieser Zeit angespannter, musikalischer Tätigkeit laufen bereits die Vorplanungen auf Hochtouren – überdies hat sich Architekt Ing. Karl Amann freundlicherweise angeboten, die Planung unseres „Musentempels“ kostenlos durchzuführen.

Die „historische Sitzung“ auf der endgültig beschlossen wurde, ob, wo, wie und was gebaut werden soll, fand am 9.8.1967 statt. Die vorgelegte Planskizze von Baumeister Amann fand sofort begeisterte Anerkennung und volles Lob. Das Probelokal hat Ausmaße von 12,6 x 9,6 m mit einer mittleren Höhe von vier Metern. Der nach Süden versetzte Anbau, in dem nben Notenarchiv, Instrumentenraum, Heizung und sanitären Anlagen auch eine kleine Hausmeisterwohnung untergebracht sind, ist 9 x 12 m lang. Die Gesamtkubatur beträgt ca. 1000 m³ und durch geschickte Anordnung an der Nordgrenze ergeben sich doch noch ausreichende Parkplätze und eine große Fläche, die für eine Bepflanzung vorgesehen ist.

Die in der Folge konstituierten Ausschüsse setzten sich wie folgt zusammen:

Finanzausschuss:

Vorsitzender Robert Scheffknecht, Vorstand Werner Grabher, Vizevorstand Hermann Grabher, Organisator Hans Scheffknecht und Kassier Werner Hämmerle

Bauausschuss:

Vorsitzender Vizevorstand Hermann Grabher, Kapellmeister Hermann Hagen und die Beiräte Werner Pregler und Kurt Gasser

Das weitere Geschehen spielt sich in einer unwahrscheinlichen Rekordzeit ab:

09.08.1967Beschlussfassung über Bau und Situierung des Vereinsheimes,

15.09.1967liegen die kompletten Pläne von Architekt Karl Amann vor,

20.09.1967wurde auf der Gemeinderatssitzung die Baubewilligung erteilt,

05.10.1967Kommissionierung und Übergabe des Rohbaus an die Firma H. & R. Bösch,

Dez. 1967Richtfest.

Da in diesem Jahr infolge der schlechten Konjunkturen (Pfundabwertung) eine größere Wirtschaftskrise bestand, waren die Preise so niedergedrückt, dass die Firmen kaum mehr kostendeckend arbeiten konnten. Da unter diesen Umständen die Eigenleistung der Musiker beim Rohbau nicht allzuviel hereingebracht hätte, erfolgte die Vergabe an ein Bauunternehmen, wodurch auch dieser große Baufortschritt innerhalb von zwei Monaten erzielt wurde. Dass aber alle Musiker trotzdem zum Handkuss kamen, dafür wurde ausreichend gesorgt.

Trotz dieser emsigen Bautätigkeit ruhte aber keineswegs der musikalische Betrieb. Im September fand ein musikalischer Besuch bei unserer Patenkapelle, der Stadtmusik Altstätten statt, das Oktoberfest wurde absolviert und die Probearbeit für das schwierige Herbstkonzert war in vollem Gange.

Gleichzeitig brachte Heinz Hämmerle die Jungmusikanten in Schwung und innerhalb von eineinhalb Monaten nach der Gründung der Jugendkapelle standen 24 Jungen und 1 Mädchen beim Cäcilienkonzert auf der Bühne, um sich mit einigen einfachen Liedern zum ersten Male zu produzieren. Tosender Beifall war der Lohn für dieses junge Bemühen! Auch uns brachte das Konzert wieder einen vollen Erfolg, denn Kapellmeister Hermann Hagen hatte es mit einem geschickt zusammengestellten Programm (Ungar. Rhapsodie Nr. 2 von Franz Liszt, Titanic von St. Jaeggi und ein sehr moderner 2. Programmteil) verstanden, die Zuhörer zu begeistern.

1968

Ganz im Zeichen der Finanzierung des Vereinsheimes stand das heurige Faschingskränzchen. Alle Mitwirkenden, der Musikverein Lustenau, die Jugendkapelle, das Volksmusiktrio Toni Hämmerle, die Trachtengruppe Raggal und die Sonnenberger Bauernkapelle stellten sich freiwillig in den Dienst der Sache und spielten gratis auf, und die zahlreichen Besucher dokumentierten durch ihre freiwillige Spenden die Verbundenheit mit ihrer Kapelle.

Die einzelnen Ausschüsse sind inzwischen dauernd unterwegs um Freunde und Gönner des Musikvereins Lustenau „abzuklappern“. Die Brüder Robert und Hans Scheffknecht sind ungezählte Stunden auf Tour und es grenzt ans Unwahrscheinliche, welche horrende Summen sie heranschleppen, während der Boss des Baugeschehens Hermann „Mandi“ Grabher monatelang hinter den Handwerkern her rennt, um das Baugeschehen zu koordinieren, alles in Fluss zu halten und nach Möglichkeit voranzutreiben. Dass er selbst noch derjenige Musiker ist, der die meisten Stunden auf dem Bau verbringt, sei besonders herausgestellt! Ein Ereignis ganz besonderer Art war der Festabend zur „100-Jahrfeier der Vorarlberger Stickerei“. Er dokumentierte den Aufstieg Lustenaus vom armen Bauerndorf vor 100 Jahren, wo die Böden nie sonderlich ertragreich waren und die spärlichen landwirtschaftlichen Anbauflächen zudem häufig vom noch ungebändigten Rhein verheerende Überschwemmungen ausgesetzt waren.

Da die Bevölkerung weit stärker zunahm als die Siedlung, ist sie in der Vergangenheit oft in große Not geraten. Nicht zuletzt deshalb wird den Lustenauern nachgesagt, dass sie zu gewissen Zeiten lieber neben als unter den Zollschranken gingen! Erst die Maschinenstickerei bildet seit 100 Jahren die Grundlagen der Gemeinde und musste auch manche Krise durchstehen; seit dem 2. Weltkrieg herrscht Vollbeschäftigung und brachte großen Wohlstand in die Gemeinde – und dieser wurde an dem Abend ausgiebig gezeigt.

Wie schon so oft war auch das Wiesenfest des Gesangsverein Eintracht-Wiesenrain von einem sintflutartigen Wolkenbruch begleitet. Nicht viel besser ging es beim Landes-Jugendturnfest, wo die Sonne sich erst herauswagte, als wir schon völlig durchnässt waren, ebenso bei unserem Konzertausflug mit den Frauen nach Mittelberg im Kleinen Walsertal, wo wir aber wieder durch einen schönen Publikumserfolg reichlich entschädigt wurden.

Bereits im Juni war das Probelokal bezugsbereit und wir hatten ein bleibendes Zuhause gefunden. Am 4. Juni 1968 fand die 1. Probe im neuen Vereinsheim statt, die Vorstand Werner Grabher zum Anlass nahm, die Männer, die den Hauptverdienst am Zustandekommen dieses stolzen Gemeinschaftswerkes hatten, in einer Laudatio zu ehren.

Einen neuen triumphalen Erfolg brachte das 11.Vorarlberger Landesmusikfest in Feldkirch. Bereits mit der Wiedergabe des Pflichtstückes „Musik über ein altes Soldatenlied“ von Paul Kühmstedt wurde eine optimale Leistung erbracht, die von keiner Kapelle mehr überboten werden konnte. Im Selbstwahlstück „Festliche Overture“ von Stephan Jaeggi- übrigens eine Uraufführung in Vorarlberg – kam jedes einzelne Register zum „Handkuss“; Klarinetten und Flügelhörner in rasanten Passagen, Trompeten in schwindelnden Höhen oder Hörner und Posaunen in mächtigen Chören, verbunden mit rhythmischen Feinheiten in allen Tempi und hervorragender Stimmung in allen Registern, führte zu einer bestechenden Gesamtleistung, die mit einem 1. Rang mit Auszeichnung honoriert wurde. Unter dem brausenden Beifall tausender Festgäste wurde bei der Preisverteilung der freudestrahlende Kapellmeister Hermann Hagen von seinen Musikern durchs Festzelt getragen. Die geduldige, unbeirrbare und zielklare musikalische Ausbildungsarbeit Hermann Hagens, die nicht auf billige Momenterfolge, sondern auf Dauerleistung hinzielt, hat damit ihm und seinem Verein wieder einen deutlichen Erfolg gebracht, der in der Fachwelt von besonderem Wert erscheint und die überragende Stellung des Musikvereins Lustenau im Vorarlberger Blasmusikwesen erneut bestätigt hat.

Beim Traditionellen Cäcilienkonzert wurden wieder musikalische Leckerbissen besonderer Art serviert. Neben den Erfolgsstücken des Landesmusikfestes in Feldkirch wurden die Ouverture zur Oper „Rienzi“ von Richard Wagner und die „Slavische Rhapsodie“ von Carl Friedemann dargeboten. Den Schlusspunkt des ersten Konzertteiles bildete die Uraufführung des geistlichen Werkes „Salve Laurentius“ des Vereinsmitgliedes Ernst David, der eine kontrastreiche kirchenmusikalische Komposition in moderner Rhythmik und Harmonik schuf, wobei auch Jazzelemente mit einbezogen wurden. Die Instrumentierung besorgte er selbst, wie er ja schon seit Jahren viele bewährte Arrangements für die Blaskapelle geschaffen hatte. Wieder einmal mehr stellte Hermann Hagen die Homogenität seiner Kapelle unter Beweis, das beachtliche musikalische und technische Können der verschiedenen Instrumentengruppen und deren reiche Ausdrucksskala. Besonders erwähnt wurden die weiche Tongebung und die gute Stimmung.

Weihnachten 1968 verbringen Werner Schlachter und dessen Gattin Traudl bereits in den schön ausgebauten Räumen der Hausmeisterwohnung und harren der Dinge, die noch über sie kommen sollen.

1969

Bei der Jahreshauptversammlung konnte Vorstand Werner Grabher darauf hinweisen, dass der Verein in den letzten zwei Jahren dank der fachlichen Qualifikation von Kapellmeister Hermann Hagen wieder zu markanten Erfolgen geführt wurde, und auch das Nachwuchsproblem gemeistert werden konnte. Gleichzeitig konnte die Sicherstellung der Vereinstätigkeiten in räumlicher und finanzieller Hinsicht durch den selbstlosen Einsatzwillen einiger weniger Männer geschaffen werden. – Als besonderes Positivum des vergangenen Jahres wertete Kapellmeister Hermann Hagen das immer bessere Hineinfinden in die moderne Musik, woran Ernst David mit seinen modernen Arrangements keinen unwesentlichen Anteil hat.

Auf Grund einer schweren Operation, verbunden mit den großen physischen und psychischen Belastungen, die Beruf und Vorstandschaft mit sich bringen, sah sich HS Dir. Werner Grabher nicht mehr in der Lage, die Geschicke des Vereines weiterzuführen.

Zum neuen Vorstand wurde Walter Hagen, der jüngste Bruder des Kapellmeisters, erkoren, der sich mit jugendlichem Elan in die Arbeit stürzte.

Sehr oft in der Geschichte des Vereins hatten wir mit den feuchten Elementen zu kämpfen. Am Faschingsamstag war es einmal anders. Beim Faschingsumzug in Hard klirrte nicht nur die Kälte, auch die Zähne klapperten. Hörner und Posaunen brauchten Alkohol-Injektionen, um die Ventile und Züge für kurze Zeit wieder spielbar zu machen – aber auch das war vergebliche Liebesmüh.

Das Faschingskränzchen versammelte wiederum die ganze Vereinsfamilie, diesmal unter dem Motto: „VLP ist besser noch als EWG!“ VLP sollte aber keine Werbung für ein alkoholisches Getränk oder für ein Waschmittel darstellen, sondern ein Symbol für die „Vereinigten Lustenauer Parzellen“ - vereint in Friede und Eintracht, vereint in Freud und Leid und vereint mit der Muse Polyhymnia.

Mit großem Erfolg wurde heuer erstmals auf dem Krähenberg bei Sibratsgfäll eine Vereins-Schimeisterschaft durchgeführt, um auf diese zeitgemäße Art die Verbundenheit unter den Vereinsmitgliedern zu fördern. Dieses Rennen – verbunden mit spektakulären Stürzen – wurde eine Beute des jüngsten Vereinsmitgliedes. Den größten Heiterkeitserfolg erzielte allerdings der 60-jährige „Onkel Kusser“, der sich bei der Zieleinfahrt im Stile eines Karl Schranz auf die Bretter und dann in den Schnee setzte.

Am 18. März gaben wir dem Senior unserer Ehrenmitglieder Altlandesrat Adolf Hämmerle zu seinem 89. Geburtstag ein Ständchen, und mancher junge Musikant wird noch lange daran denken, mit welcher Andacht und Verzückung der Jubilar den Klängen des „Kaiserjäger-Marsches“ lauschte, der selige Erinnerungen an frühere Zeiten in ihm wachrief.

Einen Werbefeldzug für österreichische Blasmusik unternahmen wir zu Ostern nach Löffingen im Hochschwarzwald. Begleitet von den Frauen und Bräuten, gaben wir in der Stadthalle vor 1200 Zuhörern – der Ort selbst zählt nur 2500 Einwohner! – ein Galakonzert, welches wahre Begeisterungsstürme hervorrief. Mit den modernen Big-Band-Nummern wurden begeistert applaudierte Höhepunkte erzielt. Besonders hervorzuheben sei die außerordentlich liebenswürdige Gastfreundschaft der Schwarzwälder Musikanten und der Quartiergeber.

Der 1. Mai brachte unserer Gemeinde die Einweihung einer neuen sozialen Stätte – des Altersheimes – wobei wir die Ehre hatten, die musikalische Gestaltung zu übernehmen.

Schöne Erfolge konnten wir dann beim Bezirksmusikfest in Götzis und beim Landesfeuerwehrfest in Hohenems erringen. Die Export- und Mustermesse in Dornbirn gab uns dann Gelegenheit, an zwei Abenden unsere Qualitäten als Unterhaltungsmusik unter Beweis zu stellen.

In der Zwischenzeit war aber auch unser Nachwuchs nicht untätig. Beim heurigen Kränzchen produzierten sie sich sehr erfolgreich und Ende Juni unternahmen sie als Belohnung für ihren Eifer und den großen Fleiß einen kleinen Ausflug. Bei dieser Gelegenheit gaben sie im Sprachheilheim „Carina“ in Feldkirch, sowie im SOS-Kinderdorf in Dornbirn ein Ständchen, welches von den jugendlichen Heiminsassen und der Kinderdorffamilie mit Freuden entgegengenommen wurde.

In der Nachwuchswerbung beschritt der Musikverein Lustenau völlig neue Wege. Im Zuge des normalen Schulunterrichts wurden einige Klassen der Hauptschule ins Musikheim geladen, wo eine „Vorspielstunde“, verbunden mit praktischer Instrumentenkunde, durchgeführt wurde. Musiziert wurde durch die Jugendkapelle unter Heinz Hämmerle selbst. Werner Pregler, der Initiator dieses Werbefeldzuges, erläuterte den Schülern sehr anschaulich die einzelnen Instrumente, deren Aufbau, Technik und Tonbildung, und ließ die Jungmusikanten im Einzel- oder Gruppenspiel die Instrumente vorführen. Der gute Erfolg dieser Aktion - es meldeten sich spontan acht Burschen - dürfte auch andernorts Schule machen.