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Geschichte 1886 - 1960 Drucken E-Mail

von Ehrenmitglied Ernst DAVID

Musik, die strahlende Königin der Künste, hatte in Lustenau seit jeher unbestrittene Herrscherrechte. Manche wollen gar die musikalische Sonderbestätigung und Vorliebe für musische Vereine durch eine unbeweisbare Abstammungskonstruktion erklären; dem ist nicht so, der Lustenauer ist nicht blutgeborener Musiker, sondern geistbedingter Musikfreund. Er muss musizieren aus einem inneren, aber geistigen Drange.

Dumpfes Wettergrollen rollte, politische und weltanschauliche Meinungsverschiedenheiten und Spannungen und – ungeschminkt gesagt – auch ein bisschen menschliche Schwäche standen auf beiden Seiten der Wiege des zarten Mägdeleins, das am 22. Feber 1886 geboren wurde und in der Taufe den Namen „Cäcilia“ erhielt.

Musikantenblut – seit je ein leicht entzündbarer Stoff – schlug Flammen. Musikfreudig, kunstbeflissen war die Schar der Harmonie schon auf beträchtliche Höhe vorgerückt, aber ein Ausklang einer früheren Geisteswelle legte im gegenseitigen Verkehr der Vereinsmitglieder plötzlich „politische Notenblätter“ auf, die ein Teil nicht spielen wollte. Auf dieser Linie kam es zur Trennung.

28 Mann weist das Gründungsverzeichnis auf, alle beglaubigt durch eigenhändige Unterschrift. Heute – nach 118 Jahren – schauen wir zurück auf die Entwicklung, den stetigen Aufstieg und die Erfolge; wir sehen aber auch Stürme, Rückschläge und dazwischen auch Missgeschick. Das junge Reis schlug kräftige Wurzeln und heute vermögen überall abgeklärte Geister über alle Bretterwände hinüber bereits gegenseitig den Vereinszweck – und nur diesen – zu sehen. Abgeklärte Ruhe ist heute eingekehrt, Kunstsinn und Kunstpflege stehen heute obenan!

Das erste Jahrzehnt der Vereinsgeschichte liest sich wie Erinnerungen aus frühen Kindertagen. Unbeirrbare Begeisterung, unermüdlicher Fleiß und beispielhafte Hingabe der Vereinsleitung vermochten alle in den Kindertagen eines Vereines auftretenden Schwierigkeiten zu überwinden.

An dieser Stelle geziemt es sich, des ersten Vorstandes und Kapellmeisters, Thomas Riedmann, zu gedenken, der die Grundmauern des Vereines legte und mehr als zehn Jahre voller Begeisterung und Hingabe den Dirigentenstab schwang. Durch unermüdliche Übungs- und Konzerttätigkeiten wusste er seine Musikerschar immer vorwärts und aufwärts zu reißen und man liest ein rührendes Vertrauensverhältnis aus den Berichten jener Tage. Berechtigten Stolz mag ihn erfüllt haben, als er die stramme Schar am 7.4.1890 in neuen Uniformen zum Konzert im Gasthaus Schiff in der schweizerischen Nachbargemeinde Au führte.

Erheiternd wirkt heute eine behördliche Verfügung aus jener Zeit: Die Musik musste von solchen Konzerten mit der Bahn über St. Margrethen nach Lustenau zurückkehren, weil jedes Mal bei der sich anschließenden Volksmenge die Zollrevision erschwert war. Oh, St. Finantius!

Da noch in den meisten Gemeinden leistungsfähige Blasmusikvereinigungen fehlten, konnte eine sehr weitgreifende Konzerttätigkeit entfaltet werden, die auch klingenden Erfolg brachte, was der Vereinskasse sehr wohl zustatten kam. Bis nach Kempten im Allgäu, Konstanz, St. Gallen, Altstätten, München, Vaduz, Reutte in Tirol dehnten sich im Laufe der Jahre Konzertfahrten aus und dass es immer froh und heiter zuging, bezeugt manch poetischer Erguss in der Vereinsgeschichte.

Einen Höhepunkt erreichte der Verein im dritten Jahrzehnt im Jahre 1909. Erstmalige Teilnahme an einem musikalischen Wettbewerb beim rheintalischen Musikfest im schweizerischen Nachbarort Au. An zweiter Stelle preisgekrönt, stand er hinter einem Schweizer Verein. Dieser Erfolg war ein gewaltiger Ansporn zu weiterem Streben. Auch Freundschaftsbande wurden in diesen Jahren geknüpft und gefestigt, besonders mit der Stadtkapelle Altstätten, die zu unserer Patenmusik wurde.

Eitel Jubel und Freude herrschte im 25. Vereinsjahr über den Erfolg beim Kantonal- und Zentralschweizerischen Musikfest in Luzern 1911. An diesen reihten sich weitere, 1912 in Widnau beim rheintalischen Musikfest und 1913 beim oberschwäbischen Musikverbandsfest in Friedrichshafen.

Schauerlich feierlich entrollte das «Gebet vor der Schlacht» den Instrumenten am 5. Juli 1914 anlässlich der Trauerfeier für den ermordeten Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand. Bereits einen Monat später steht ein Drittel der Musikanten unter den Waffen - viele andere folgen und eine musikalische Betätigung ist durch 4 1/2 Jahre nicht mehr möglich. - Zehn Kriegsopfer hat der Verein zu beklagen. Ihr ehrendes Andenken ist eingeschrieben in Herz und Sinn des Vereines.

 

Aber auch viereinhalb Kriegsjahre brachten den Vereinsgeist nicht zum Weichen. Noch mit den Kriegsfolgen in den Knochen versammeln sich am 7. Jänner 1919 die Grenadiere und beschließen die Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit. Das vierte Jahrzehnt rollt im Gleichtakt weiter. Aber nur für den, der die aufgezeichnete Arbeit und Mühe nicht kennt. Das Jahr 1921 bringt diese ans Licht. Beim 1. Vorarlberger Musikfest ist in der Abteilung «Schwere Musik» der 11. Preis der Lohn. Ein ganzes Jahrzehnt glänzender Erfolge schließt sich nun an. Zug 1923 und Lindau 1925, goldener Lorbeerkranz in der Abteilung «Sehr schwere Musik». Altstätten 1933 1. Preis, hervorragend gute Wertung, höchste Punktezahl des Tages Lustenau 1933, Marschmusikkonkurrenz 1. Preis - Rankweil 1934, Landespreis. Eine ganze Reihe ehrender Erfolge, auf die besonders der jetzt waltende Kapellmeister Franz Hagen mit berechtigtem Stolz zurückblicken konnte. Zu seiner besonderen Ehrung sei er der einzige unter den Musikern, der mit Namen genannt wird. Viele hätten es im Lauf der fünf Jahrzehnte in besonderer Weise verdient, die oft in entscheidenden Augenblicken auf die Kommandobrücke sprangen und dem Schifflein seinen Kurs wiesen. Sie seien eingereiht zwischen den Gründungskapellmeister und Franz Hagen. Seiner Stabführung verdankt die Öffentlichkeit auch die bis auf den heutigen Tag fortgeführten «Cäcilien-Konzerte» - immer die Namenstagsfeier des Vereins.

Im Juni 1936 war es die «Cäcilia», die als erste Lustenauer Kapelle zu einer Radio-Direktübertragung verpflichtet wurde. Waren damals die technischen Voraussetzungen für eine Life-Sendung auch noch nicht so vollkommen wie heute, so war es doch für diese Zeit ein besonderes Ereignis.

Anlässlich des 50jährigen Wiegenfestes des Musikverein Cäcilia, welches mit dem 5. Vorarlberger Bundesmusikfest in Lustenau verbunden wurde, startete man vom 27. bis 29. Juni 1936 eine Veranstaltung, wie sie im Lande noch nie gesehen wurde. Sie wurde als das größte und bedeutendste Musikfest seit Bestehen des Vorarlberger Harmoniebundes bezeichnet. Der Entwurf des Festplakates der Lustenauer akademischen Malerin Stephanie Hollenstein wurde Jahrzehnte auf allen Festprogrammen des Musikverein Lustenau verwendet. Festobmann Remigius Waibel - aus diesem Anlasse auch zum Ehrenmitglied ernannt - machte seine Sache so gut, dass er bei der folgenden Jahreshauptversammlung zum Vorstande gewählt wurde - und das blieb er volle 20 Jahre! In der Chronik kann man lesen: „So teuer hat noch keiner den Titel «Ehrenmitglied» bezahlt!“

Am 1. Mai 1938 wurde dem Verein schriftlich mitgeteilt, dass die Cäcilia im Zuge der politischen Reinigungsaktionen aufgelöst werde. - Das letzte konzertante Auftreten fand dann auf einem Gartenkonzert in der «Weinstube» am 29. Juni 1938 statt. Kapellmeister Franz Hagen schloss diese denkwürdige Aufführung mit dem Marsch „Aller Ehren ist Österreich voll“.

1945 –1946

Immer wenn die soziale Not am größten, wenn der Hosenbund enger geschnallt werden muss, treten sich die Menschen wieder näher, lebt neuer Gemeinschaftsgeist auf. Noch das Grollen des Kanonendonners vom letzten Weltkrieg in den Ohren, treten beherzte Männer zusammen, um das übrig gebliebene Häuflein wieder zusammenzuführen. Es sind vor allem Remigius Waibel und Kapellmeister Franz Hagen, die die aus dem Krieg heimkehrenden ehemaligen Musiker sammeln und eine Kapelle ins Leben rufen, die schon bald wieder zu den besten des Landes zählen sollte.

Ein deutsches Dichterwort sagt treffend: „Alles Edle, Gute, Schöne, liegt im Reich der Töne“. Ungeachtet aller wirtschaftlichen und sozialen Not, all der menschlichen Schwächen und Vorurteile aus früherer Zeit, sammeln sie sich unter diese Motto. Bereits am 24. November 1946 – noch nicht einmal als Verein angemeldet - kann Franz Hagen das erste Cäcilienkonzert dirigieren und damit eine neue große Periode des musikalischen Schaffens einleiten.

Eine Veranstaltung ganz eigener Prägung sieht Lustenau im Wohltätigkeitskonzert der beiden Musikvereine AU/SG und Lustenau. Ein seltenes Eintrittsgeld ist zu entrichten: 1 Pfund Lebensmittel, das beim Grenzübertritt beim österreichischen Zollamt gegen eine Eintrittskarte zu hinterlegen ist. Über 300 Gäste aus der Schweiz sind dem Ruf gefolgt und über den <Jordan> gepilgert, weitere 500 aus Lustenau und den benachbarten Gemeinden helfen durch ihren Besuch die Not der Kriegsopfer zu lindern.

Am 24.2.1947 fand die 1. Generalversammlung – offizielle Gründerversammlung – des Musikvereines Lustenau statt. Sie weckte Erinnerungen an eine Zeit, die wohl auch nicht mit der so genannten <guten alten Zeit> identisch war, in der sich das menschliche Herz aber noch behaglich entfalten konnte, in der der Lustenauer noch Dinge vorfand, die er mit Berechtigung stolz als ureigensten Besitz betrachtete, die er auf Grund seiner musikalischen Veranlagung und seines Fleißes aus eigenem geschaffen hat: Drei Blasmusikkapellen, die zu den Besten in weiter Umgebung zählen, die die Aufmerksamkeit musikalisch interessierter Kreise auf das große Dorf am Rhein lenken.

Vieles musste inzwischen betrauert werden, aber auch vieles zeigt wieder Ansätze zu neuer Blüte – und der Musikverein Lustenau verspricht eine sehr schöne Blüte zu werden. Aus der Wahl ging in vollkommener Einmütigkeit der letzte Vorstand der „Cäcilia“ Remigius Waibel hervor, dem die schwere Nachkriegszeit noch manches Opfer an Zeit und Arbeit abfordern wird. Dazu kommt als Kapellmeister Franz Hagen, dessen Können die Zeit von 1938 längst dokumentierte, und somit ist die Gewähr geboten, das der Musikverein Lustenau jene hohe Stufe erreicht, von der seine Vorgänger – Cäcilia und Harmonie – so gewaltsam herunter gestoßen wurden.

Neben einigen aktiven Musikern wurde in der Folge auch 13 Ehrenmitglieder der „Harmonie“ übernommen, und dies sollte dokumentieren, dass alle Reminiszenzen begraben sind, denn gemäß den neuen Statuten des Musikverein Lustenau steht bereits im Paragraph eins: „Der Hauptzweck des Vereins ist die Pflege der Blasmusik – und nichts anderes – und die Erhaltung eines Orchesters, das dem Ruf und dem Ansehen der Gemeinde Lustenau entspricht“. Wenn auch durch den Krieg keine großen Verluste zu verzeichnen waren, so setzte doch das Alter manchen Schlussstrich unter ein musikalisches Leben. Um eine Vergreisung der Kapelle wirksam zu verhindern, wird bereits nach Kriegsende die erste Jugendkapelle gegründet. Es ist Rudi Hofer, der diese Mühevolle und „Undankbare“ Tätigkeit übernimmt; sein unermüdlicher Eifer und sein noch größerer Idealismus sollen bald von Erfolg gekrönt sein. Wenn wir heute zurückblicken können wir sagen, dass ungefähr die Hälfte der Musiker aus dieser ersten Jugendkapelle hervorgegangen ist.

Bereits im Mai 1947 ist es wieder soweit, dass der Musikverein Lustenau es wagen kann, sich mit den Besten zu messen. Beim III. St. Gallischen kantonalen Musikfest in Altstätten gelingt es gegen stärkste Schweizer Kapellen mit der „Ungarischen Rhapsodie Nr. 2“ von Franz Liszt in der Kunststufe den 1. Preis zu erringen! – Wenn man bedenkt, dass von 1938 bis 1945 der Verein brach darnieder lag, dass in dieser Zeit überhaupt keine musikalische Tätigkeit stattgefunden hat, dann kann man ermessen, welche intensive Probenarbeit, welcher Eifer und welche Opfer von jedem Einzelnen abverlangt wurde, um in dieser kurzen Zeit wieder zu solch einem Erfolg aufzusteigen.

In diesem Jahr ist es nicht verwunderlich, dass Konzertreisen in die Schweiz bevorzugt wurden. War doch jedes Auftreten im Ausland mit einem vollen Bauch verbunden. Die wirtschaftlichen Verhältnisse hatten sich ein wenig gebessert, aber Lebensmittel waren knapp und bewirtschaftet. Wer nicht im Ried ein Äckerchen hatte, dem fehlten halt doch noch einige Kalorien. Altstätten, Au, Berneck, Widnau, Uzwil in der Schweiz und Weiler im Allgäu waren in dieser Zeit die beliebtesten Ausflugsziele, wo sich aber nicht nur der „Bauch voll geschlagen“ wurde, sondern eine emsige Konzerttätigkeit den Ruf der Kapelle und des österreichische Blasmusikwesens überhaupt festigten

1949

Am 30.07., anlässlich des 50 jährigen Gründungsjahres des Musikverein Concordia Lustenau, findet ein großes internationales Musikfest in unseren Gemarkungen statt, bei dem wir mit der Ouverture „1812“ von Peter Illitisch Tschaikovsky den 1. Preis von den teilnehmenden inländischen Kapellen heimführen können.

In diesem Jahr findet auch ein Ausflug, verbunden mit einem Konzert nach Uzwil statt, wo wir groß als „Damenkapelle“ angekündigt wurden. Dieses Auftreten wurde von den unternehmungslustigen und stürmischen Schweizerjünglingen mit großem Interesse erwartet. Als sie aber drauf kamen, wer die „Damen“ waren, gab es zuerst eine leichte Abkühlung, doch dann dankte tobender Beifall für das überaus gelungene Konzert.

Dass die Jugendkapelle in dieser Zeit auch nicht untätig war, findet man in der Chronik verzeichnet. Allein in diesem Jahr hatten sie zwanzig Ausrückungen, die bereits ein beredetes Zeugnis ihres Fortschrittes und ihres Könnens gaben.

1950

Neben der „Cäcilia“ hat sich auch der Musikverein Lustenau stets der Pflege der sakralen Musik gewidmet. So kam es auch nicht von ungefähr, dass am Palmsonntag 1950 eine „Musikalische Weihesstunde“ gemeinsam mit dem Chor zu St. Peter und Paul durchgeführt wurde, dessen Erlös der Kirchenrenovierung zufloss. Mit den Werken „Der Glaube lebt“ aus „Parzifal“ von Richard Wagner, dem Choral „Näher mein Gott zu dir“ von R. Mason und dem „Osterchor“ aus „Cavalleria rusticana“ von Pietro Mascagni wurde ein eindeutiger Beweis der Pflege und Liebe zu dieser Kunstrichtung gegeben.

Beim 6. Vorarlberger Landesmusikfest in Bludenz 1950 war es dann wieder soweit, dass mit der Ouverture zur Oper „Rienzi“ von Richard Wagner ein neuer eindeutiger Erfolg an die Fahnen geheftet werden konnte – 1. Preis. Nicht geringer zu werten aber war das Abschneiden unserer Jugendkapelle unter Rudi Hofer. Sie traten bei der Konkurrenz mit der „Feodora“ von P. I. Tschaikovsky an und im Wettstreit mit den „Großen“ gelang es in der Mittelstufe mit 49 von 50 erreichbaren Punkten den 1. Preis zu erringen. Eine wohl einmalige Leistung unserer Jungen!

Der Konzertausflug im Herbst dieses Jahres führte nach Meran-Untermais und war für jeden einzelnen ein großes Erlebnis. Damit wollte die Vereinsleitung den Musikern für ihre jahrelange Treue zum Verein, für ihre Mühen und Opfer im Dienste der Musik, danken. Neben dem Ausflug gab es aber auch ein grandioses Galakonzert, dessen Programm nicht weniger als neun Kunststufenstücke umfasste! Dass dieses gelungene Auftreten Grund genug war, sich anschließend dem guten Rebensaft hinzugeben, wird den wackeren Musikern wohl niemand vergönnt haben.

In diese Zeit fällt auch die Gründung der „Bauernkapelle“, die durch gekonntes Spiel und ihre Musizierfreude bald angenehm auffiel. Konzertreisen, die bis nach Frankreich führten, waren der Lohn für zusätzlichen Fleiß, der aber wiederum dem Musikverein Lustenau zur Ehre gereichte.

Musikfeste in Vorarlberg, Tirol, in der Schweiz und im Allgäu wechselten in bunter Folge, und so war es auch kein Wunder, wenn die Uniformen langsam aber sicher in die Binsen gingen. Jahrelang waren sie Sonnenschein, Sturm und Regen ausgesetzt gewesen und hatten so manches lustige und traurige Lied miterlebt. Lange Vorarbeiten waren in den einzelnen Ausschüssen notwendig, bis das richtige Material, die Façon, und schließlich das Wichtigste, der nötige „Zaster“ da waren. 1952, am Feste unserer Gemeindepatrone St. Peter und Paul war es dann soweit, dass unser Ehrenmitglied Geistl. Rat Pfarrer Alfred Salzgeber die Weihe der neuen schmucken Uniformen durchführen konnte. Berechtigter Stolz erfüllte uns alle, und dankbar blickten wir zu unseren Freunden und Gönnern auf, ohne deren Spendefreudigkeit dieses Werk nie gelungen wäre.

1953

Dass trotz aller Einsatzfreude, allem Fleiß und eifriger Probentätigkeit nicht immer alles gut gehen muss, das bewies das 7. Vorarlberger Landesmusikfest 1953 in Bregenz, wo man mit der symphonischen Tondichtung „Finlandia“ von Jan Sibelius „baden“ ging. Es war seit vollen dreißig Jahren das erste Mal, dass bei einer Konkurrenz „nur“ der 4. Preis erkämpft wurde. Bei so einem Wettkampf spielen eben so viele unkontrollierbare Elemente mit – Nervosität, Undisponiertheit, falsche Auffassung, Wettereinflüsse, lange Wartezeiten – dass mit einem Umfaller immer einmal gerechnet werden muss.

1954

Die 30jährige Dirigententätigkeit unseres Kapellmeisters Franz Hagen war Grund genug, diesem Mann, dem von seinem Verein, vom Vorarlberger Harmoniebund, vom St. Gallischen Kantonalmusikverband und vielen Musikkennern und –liebhabern eine überaus große Wertschätzung entgegengebracht wurde, in einer großartigen Veranstaltung einen Überblick über seine Leistungen und Erfolge in den vergangenen drei Jahrzehnten zu geben. Zum Cäcilien-Konzert 1954 wurde ein Programm einstudiert, das nicht weniger als sieben Kunststufenstücke enthielt, mit denen Franz Hagen während seiner Dirigentenlaufbahn bei verschiedenen Wettbewerben vorderste Ränge belegen konnte. Von der heimischen Dichterin Maria Oster wurde eigens zu diesem Anlass ein Festspiel verfasst – ein Loblied auf die Musik und die Getreuen, die sie durch Jahrzehnte mit beispielgebendem Opfersinn pflegen.

In diesem Jahre erfolgte auch der Umzug in ein Klassenzimmer der Volksschule Kirchdorf. War dies auch keine Ideallösung, da dieser Raum von der Schule als Musikzimmer mitbenutzt wurde, der Orchesterverein seine Proben durchführte und verschiedene Jugendliche ihre Qualitäten auch auf unseren deponierten Instrumenten ausprobierten – so war man wenigstens unter Dach und Fach. Einige der grauen Haare unseres damligen Materialverwalters Gebhard Hagen waren ganz sicher auf die in diesem Zimmer demolierten Musikinstrumente zurückzuführen.

1956

Am Feste der Hl. Drei Könige legte Remigius Waibel seine Vorstandschaft zurück. Als Nichtmusiker hatte er volle zwanzig Jahre der Muse Polyhymnia treu gedient – von 1937 bis 1956 trug er das mühevolle Amt des Vorstandes auf seinen Schultern, in einer Zeit politischer Umwälzungen und wirtschaftlicher Nöte. Noch weitere zehn Jahre – bis 1966 – wird er als Vizepräsident des Vorarlberger Harmoniebundes fungieren und anlässlich seines Ausscheidens aus der Bundesleitung zum Ehrenmitglied ernannt. Dr. Thomas Linder, Obmann des Harmoniebundes bezeichnete ihn als einen wahren „Pionier der Blasmusik“. Auch die Schaffung der „Österreichischen Blasmusikzeitung“, des einzigen offiziellen Organes der Blasmusik, ist seiner besonderen Initiative zuzuschreiben.

Eine besondere Pointe aus der Zeit seiner Verehelichung sei erwähnt: „Da bereits zu diesem Zeitpunkt feststand, dass er nicht immer zu Hause sein würde, und sich daraus evtl. Schwierigkeiten ergeben könnten, wurde folgende Ehevereinbarung getroffen: Bei Sturm im Haus geht sie abwaschen, während er sich mit ,,gärtla.“ beschäftigt.“ – So ist er im Lauf der Jahre ein guter Gärtner geworden.

Dr. Eduard Hämmerle löst ihn auf diesem schwierigen Posten ab und ist bemüht, das Vereinsschifflein über alle Klippen zu bringe. – Zum 75. Geburtstag der ,,Cäcilia“ wird in der Krone ein großer Familienabend veranstaltet, bei dem die ganze Musikantenfamilie einschließlich ihrer ,,Pensionisten“ und Ehrenmitglieder zusammenkommt, um die Freuden und Leiden der vergangenen acht Jahrzehnte, die Nöte und Kämpfe in früheren politischen Wirren, die Triumphe bei großen Musikwettbewerben und weinselige Erinnerungen bei schönen Ausflügen, noch einmal im Geiste vorbeiziehen zu lassen.

Das 8. Landesmusikfest in Feldkirch (1956) soll der letzte große Triumph für Kapellmeister Franz Hagen werden. Mit der Ouvertüre ,,Maritana“ von G. Wallace kann er in der Kunststufe wieder einen 1. Rang mit Auszeichnung erringen. Der international anerkannte Preisrichter und Komponist Prof. Sepp Tanzer aus Innsbruck schreibt in seinem Wertungsbericht: ,,Die beste Leistung des Tages unter 90 teilnehmenden Kapellen!“ – Wenn man weiß, dass der Kapellmeister noch 14 Tage vor dem Wettbewerb wegen überaus schlechtem Probenbesuch den Musikanten den ,,Stecken“ nachwarf, dann wird diese Leistung noch eindrucksvoller.

1957

Weihnachten 1957 legt Franz Hagen nach einer Dirigententätigkeit von vollen 35 Jahren seinen Stab für immer nieder. Er war ein Dirigent, der es verstand, durch stilistisch schöne und doch klare Zeichengebung seinen musikalischen Willen, seine Gefühle und auch sein Temperament auf das Orchester zu übertragen und dem es auch stets gelang, einen guten Kontakt zum Publikum herzustellen. Er war immer bemüht, sich die Autorität, die für jeden Dirigenten eine Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Wirken ist, auf der Basis persönlicher und kameradschaftlicher Beziehungen zu jedem seiner Musikanten zu verschaffen.

Rudi Hofer, der schon bei der Jugendmusik seine ersten Sporen verdient hat, übernahm dieses mit Tradition und Erfolgen behaftete Amt, und auch ihm werden viele große Erfolge beschieden sein. Durch harte Arbeit werden die folgenden Jahre bestimmt, denn jeder geistige Umbruch bringt seine Probleme mit sich – überhaupt wenn das Haupt einer Kapelle gewechselt wir. Es dauert einige Zeit, bis der Kapellmeister zu jedem seiner Musikanten den nötigen Kontakt findet, bis er selbst in die Kapelle und seine Leistungsfähigkeit richtig hineinwächst; aber erste Erfolge zeichnen sich bald ab.

1958

Im Juli 1958 führt uns eine dreitägige Konzertreise nach Fessenbach bei Offenburg im Schwarzwald. Nach einigen sehr schönen Konzerten bei sengender Hitze brachte eine Einladung der Winzergenossenschaft zur Besichtigung ihrer Keller eine wohltuende Abkühlung. Nachdem aber etliche Fläschchen ,,Ruländer“ durch die durstigen Kehlen geperlt waren, hatte das Thermometer bald wieder seinen ursprünglichen hohen Stand erreicht.

1959

Die Generalversammlung 1959 bringt wieder einen Vorstandswechsel mit sich. Oberlehrer Otto Scheffknecht übernimmt dieses mit viel Bürden und weniger Würden behaftete Amt. Sein Hauptaugenmerk richtet er auf die Jugendarbeit. Die letzte Jugendmusik war Ende 1954 durch die Übernahme der meisten Jungmusikanten in die große Musik aufgelöst worden. Um aber wieder rechtzeitig über ein geeignetes Reservoir an jungen Kräften verfügen zu können, gründet und leitet er die 3. Jugendkapelle. War es 1947 noch relativ leicht eine Schar begeisterter Burschen zusammenzutrommeln, so war es jetzt schon ungleich schwieriger, denn die Zeiten hatten sich wesentlich – und zu Ungunsten eines klingenden Vereines – gebessert. Die Hochkonjunktur in der Stickerei, die auch in die Taschen der jungen Leute genügend Geld brachte, die verschiedenen Massenmedien, Tanz- und Schlagermusik und viele andere Umweltseinflüssen brachten es mit sich, dass jeder einzelne Musikant ,,an den Haaren“ herbeigezogen werden musste. Dieses Durchstehen allein verdient schon einen Orden! – Diese Jugendarbeit wird ab 1961 von Toni Huber und Werner Pregler mit großer Selbstaufopferung und schönem Erfolg fortgesetzt werden.

Die jährlich abgehaltenen Faschingsveranstaltungen, die nicht nur eine schöne Unterhaltung für die Musikantenfamilie selbst, sondern auch dem musikbegeisterten Publikum einen Querschnitt über unsere Arbeit auch in der leichten Muse bieten sollen, fanden in diesem Jahr wiederum ihre würdige Fortsetzung.

Der 1. März 1959 brachte uns einen schmerzlichen Verlust. Kapellmeister Franz Hagen, der die ,,Cäcilia“ und dann den Musikverein Lustenau durch volle 35 Jahre leitete und von Erfolg zu Erfolg führte, war einem tragischen Verkehrsunfall zum Opfer gefallen. Sein feierliches Begräbnis wurde durch drei Musikkapellen, denen er seine ganze Freizeit und seine Liebe zur Musik gewidmet hat, verschönert. Sie bekundeten durch ihre Trauerweisen, dass sie sich mit ihrem verstorbenen Dirigenten noch über das Grab hinaus in Freundschaft und Dankbarkeit verbunden fühlten. ,,Ich hatt’ einen Kameraden...“: Dieser letzte Gruß erklang am Grabe eines Mannes, dem Musik nicht nur Freizeitgestaltung, sondern Erfüllung bedeutete.

Der Juli führte uns nach Braz, wo wir bei einem gelungenen Waldfest unsere Qualitäten unter Beweis stellen konnten; anfangs August konzertierten wir zum x-ten Male in Weiler im Allgäu.

Eine Woche später zeigte sich der Lohn harter Arbeit. Kapellmeister Rudi Hofer holte sich beim 9. Landesmusikfest in Dornbirn mit unserem Verein die ersten wohlverdienten Sporen. Mit der Ouvertüre zur gleichnamigen Oper „Wilhelm Tell“ von Rossini erzielte er in der Kunststufe einen 1. Rang mit Auszeichnung.

Petrus war uns nicht sonderlich gut gesinnt, als im gleichen Monat auf dem Tavernhofplatz ein Internationales Freundschaftstreffen mit der Kapelle aus Fessenbach durchgeführt werden sollte. Prasselnde Regenschauer ließen uns fluchtartig den Festplatz verlassen und in der Krone eine Zuflucht suchen, wo dann ein Doppelkonzert gestartet wurde. Trotz des miserablen Wetters hätte die Stimmung gar nicht besser sein können. Da auch der folgende Tag wieder „ins Wasser fiel“, musste das ganze Festprogramm verschoben werden. Acht Tage später lachte uns wieder die Sonne und alle vorgesehenen Vereine: der Musikverein Fessenbach, der Musikverein Braz, der Gesangsverein Eintracht-Wiesenrain, Turnerinnen der Turnerschaft Jahn – und natürlich wir selbst – konnten sich bei einem schönen Festabend produzieren.

1960

Wieder von strömendem Regen begleitet, war die Weihe unserer neuen Vereinsfahne im Mai 1960. Begleitet von den Fahnenpaten Willi und Lilly Grabher (Elfers) und 14 wie Feen gekleideten Fahnenjungfern marschierten wir unter großer Anteilnahme der Bevölkerung zur Kirche, wo die Weihe vorgenommen wurde. In einer sinnvollen Rede mahnte uns der Pate, zu allen Zeiten treu zur Fahne zu stehen. Das vorgesehene Bezirksmusikfest musste wegen dem traurigen Wetter leider abgesagt werden. Als Ersatz gaben wir ein Doppelkonzert mit unserer Patensektion, der Stadtmusik Altstätten. – Den Entwurf der neuen Vereinsfahne besorgte der akadem. Maler Karl Schwärzler.

Schon bald begann die Arbeit für den vom Österreichischen Rundfunk ausgeschriebenen gesamtösterreichischen Blasmusikwettbewerb. Die Ausscheidungskämpfe wurden in Dornbirn durchgeführt, wo mit der dramatischen Fantasie „Titanic“ von Stephan Jaeggi der Sieg in der Kunststufe geholt wurde. Damit war der Aufstieg in die Schlussrunde der besten österreichischen Blasmusikkapellen gesichert.